Wiesbaden - Der schlichte Schein
Der schlichte Schein
Ein Blick hinter Fenster und Fassade der Walkmühltalanlage in Wiesbaden
Carsten Tesch, GF der Märkte und Medien GmbH in Weimar führte .ein Interview mit dem Architekten des Projektes, Herrn Prof. Dieter Müller und dem GF der FritzGlock Tischler GmbH, Herrn Sven Höfer. Dieser betreute das Projekt Fenster und Fassaden. Das Ergebnis lesen Sie hier:
Mit geschlossenen Fenstern zu lüften, ist nach Dieter Müllers Erfahrung für viele immer noch gewöhnungsbedürftig. Diesem „Vermittlungsproblem“ begegnet der Architekturprofessor bei der Wohnanlage Walkmühltal mit Fenstern die zu bleiben, dennoch ordentlich „Luft holen“ und das auch noch mit kleinen Löchern in den Zargen zeigen können. „Die mechanische Be- und Entlüftung war ein wichtiger Punkt in der Planung.“ Den richtigen Partner für seine anspruchsvollen Fensterpläne fand Müller über das Internet in der Firma FritzGlock aus Hermsdorf. „Uns gefiel, dass sie aus ihrer Holz/Alu-Spezialisierung mit Twindows eine eigene Marke gemacht haben.“ Allerdings gebe es auch nicht viele Holz-Alu-Anbieter, die so ein Volumen schnell und flexibel liefern können. „So hochwertige Systeme sind nach wie vor nicht besonders weit verbreitet. Und wir merken auch schnell, ob da jemand unsere Ideen mitträgt oder einfach nur ein Standardsystem verkaufen will.“
Das Büro Müller und Münch, Wiesbaden hat auf dem 2000 Quadratmeter-Grundstück in den Walkmühltalanlagen elf Wohneinheiten errichtet. Die Wohnungen haben zwei bis vier Zimmer auf 75 bis 150 m² und auch zwei bis vier Loggien jeweils nach Norden und Süden. Damit prägen raumhohe Fenster mit großzügigen Schiebetüranlagen das architektonische Gesamtkonzept. Ein Statement für Modernität und Offenheit in einer Nachbarschaft mit überwiegend Nachkriegsbauten. „Das hat auch die Interessenten polarisiert. In solche Räume passt die Eichenschrankwand weder vom Platz noch vom Stil her.“ Dennoch waren die Wohnungen alle schnell vermietet.
Die reduzierte Form hatte gerade für den Fensterbauer komplexe Konsequenzen. Denn Müller hatte außer der Lüftung im Fensterrahmen auch noch einen innen laufenden Sonnenschutz vorgesehen. Statt vor den Scheiben bewegen sich die Jalousien elektrisch gesteuert dazwischen, integriert in die Isolierglaselemente. Das ergab eine Glasstärke von 48 Millimeter, die in die Profile mussten. Normal sind bei Schiebetüren 24 Millimeter. Zusammen mit einer „Überbreite“ der Schiebetüranlage von 6,90 Meter bringt das so viel Gewicht, dass die Planer skeptisch wurden, was die geläufigen Hebemechanismen angeht. „Wir haben schließlich den neuen Roto Patio Beschlag eingebaut. Der hebt nicht das komplette Fenster sondern zieht nur noch die Bürstendichtungen aus der Dichtebene“, erzählt FritzGlock-Chef Sven Höfer. „Die Rollen der Schiebetürbeschläge bleiben dabei fest und müssen nicht mit angehoben werden.“ Statt 250 Kilo werden nur noch die wenigen hundert Gramm der Dichtung aus der Abdichtungsebene gerückt. „Das macht die Fenster weniger anfällig für Störungen.“
Auch bei der Wahl des Holzes für die Fenster war es die Mischung aus ästhetischen und praktischen Überlegungen, die schließlich den Ausschlag gab. „Der warme Ton der Lärche sieht bei diesem Bau, wo das Holz so eine exponierte Rolle hat, wirklich gut aus“, sagt der Fensterbauer und der Architekt ergänzt pragmatisch: „Und Lärche ist deutlich härter als zum Beispiel Fichte und damit den Bauzwischenzuständen besser gewachsen.“ Das sei nicht zu unterschätzen, weil Fenster bekanntlich kurz nach Fertigstellung des Rohbaus eingebaut werden müssen und es eigentlich auf jeder Baustelle jemand gibt, „der seinen Kopf mal ganz woanders hat“.
Die Tischler hatten auf jeden Fall den Kopf voll beim Bau im Walkmühltal. „Längs- und Querschnitt reichte da nicht.“ Müller schätzt an seinen Partnern die Fähigkeit, um die Ecke zu denken. „20 Mal mehr Zeichnungen“, kommentiert Hoefer lakonisch. Seine speziell für diesen Bau angepassten Schalldämmlüfter haben den Architekten schließlich darauf gebracht, dass die Tischler, die Alu-Fenster machen auch Alu-Fassaden können. „Die Bauaufsicht hat Staffelgeschosse akzeptiert in einer Nachbarschaft, wo geneigte Dächer dominieren, voraus gesetzt sie werden optisch deutlich abgesetzt.“ Müller und Münch haben das mit einer filigranen Aluminiumverkleidung gelöst. Montiert vom Tischler, der über die Lüftung zur Fassade kam.
































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